Film

Regisseur: Catherine Breillat

catherine-breillat-02Maestro: Catherine Breillat
Bekannt für: Filme über Sex
Einflüsse: Chantal Akerman, Bertolucci
Meisterwerke: Fat Girl
Desaster: Tatsächlich gibt es auch einige schlechtere Filme von ihr, vielleicht Anatomy of Hell als Beispiel…
Besser als man denkt: Fat Girl, The Last Mistress und Bluebeard (um welche es in diesem Beitrag gehen soll) sind die guten
Kassenschlager: 1999’s Romance
Liebslings Schauspieler: Hat schon drei Filme mit Roxane Mesquida gemach
Sex ist kompliziert. Als Gesellschaft haben wir darauf reagiert, indem wir die Sexualität in einzelne, verständlichere, Bereiche eingeteilt haben. Es gibt das Obszöne, Pornographische, das Liebevolle, das Gefährliche, das Verbotene, das Leidenschaftliche und so weiter… Jeder dieser Bereiche scheint ein bestimmtes Gefühl mit der Sexualität in Verbindung zu bringen. Filme spiegeln dies wieder, und erzählen Geschichten darüber. Die Jungfräulichkeit wird von Mädchen geschützt, von Jungs verloren, Sex ohne Liebe ist im Endeffekt leer und sinnlos, Lüste stürzen uns ins Verhängnis. Damit will ich nicht sagen, dass wir in einer von Viktorianischer Moralität geprägten Welt stehen geblieben sind. Wir haben große Fortschritte seit damals gemacht. Dennoch, ein Happy End bedeutet normalerweise eine Hochzeit und keine Orgie, weil, um ehrlich zu sein, stehen die wenigsten auf Charaktere für die eine Orgie ein Happy End wäre (ohne zu sagen, dass ich das als Happy End sehen würde, weil ich es als Möglichkeit erwäge).

Catherine Breillat will mit all dem ein Ende machen. Ihre Filme definieren immer wieder neu was akzeptabel ist und verlangen von uns, dass wir unsere Vorurteile über die Sexualität eines Charakters über den Haufen werfen.

Trailer: Romance (1999)

Viele Breillats Filme sind sexuell explizit, oder eher gesagt explizit sexuell. Filme die so an derartige Themen herangehen, erhalten oftmals eher gemischte Kritik. Manchmal wird der Zuschauer von derartiger lüsterner und prüder Sensibilität abgelenkt, und manchmal lenkt der Film sich selbst ab, aufgrund seines Bedürfnisses den Zuschauer zu schocken. Anders gesagt, manchmal sind wir schuld und manchmal sie. Breillat wird ihren Titel als „die Frau die Pornos in ihre Filme einbindet“ wohl für immer behalten. Der Durchbruch gelang  ihr auch nicht mit dem Film „Fat Girl“ von 2001. Man bedenke die Herausforderungen die der Film an den Zuschauer stellt. Die dicke Anais und ihre hübsche Schwester Elena träumen davon ihre Jungfräulichkeit zu verlieren (könnte ein Amerikanischer Film so etwas überhaupt ohne beide als gestört darzustellen?). Elena sucht Liebe bei ihrem ersten Freund. Anais überhaupt nicht. Am Ende des Films hat nur Anais was sie wollte, aber auf die abartigste Weise überhaupt. Der Zuschauer kann sich aber nicht so richtig damit abfinden, dass sie bekommen hat was sie wollte. Es ist unmöglich. Wie kann sie nicht hinter Liebe her sein? Das wäre ok für uns gewesen!

Seither hat Breillat zwei weitere Filme gemacht. Erstens „The Last Mistress“  (2007), in welchem Breillat in der Zeit zurück reist, um uns zu zeigen wie wir die „sexuell abenteuerliche Frau“ (die herausragend von Asia Argento dargestellt wird) immer noch verteufeln. Und Zweitens „Bluebeard“ (2009), in welchem ein klassisches Märchen erneuert wird, und die mörderische Hauptperson zu einem einsamen Typen mit seiner ursprünglich unschuldigen Frau, die jetzt aber ein eher bockiges Kind ist, macht. Jedes Mal scheint sie den Zuschauer zu fragen: Wer ist der Böse? Wer der Heilige? Wer verdient die Liebe und wer soll die Konsequenzen tragen? Diese endlosen Fragen sind schwer zu beantworten, aber falls Sie solche Fragen (und Sex) in Filmen mögen, dann werden Ihnen Breillats Filme definitiv gefallen. Falls nicht, kann man ja immer noch zurück in die Welt in der Sex einfach ist, wo die Liebe das höchste Ziel und Lust verboten ist und Sex hinter verschlossenen Türen stattfindet. Aber Catherine Breillat werden Sie nicht in dieser Welt antreffen…